Reisebürokooperation

Im Vergleich zu einem Franchisekonzept (Franchise) handelt es sich hierbei um eine eher lockere Form der Zusammenarbeit von Reisemittlern. Kooperationen sind daher vor allem eine Alternative für Reise­büroinhaber, die zwar erkennen, daß es kaum möglich ist, mit einem Einzelbüro zu überleben, die aber weder ihr Büro verkaufen, noch einen größeren Teil ihrer Selbständigkeit durch den Eintritt in ein Franchisesystem verlieren wollen. Vor allem behalten die Reisebüros ihren eigenen Namen und mehr wirtschaftliche Freiheit.

In erster Linie schlossen sich Rei­se­­büros zur Verbesserung ihrer Pro­vi­sionseinnahmen (Provision) zusammen. Es ging zunächst nur darum, die Umsätze von Reisebüros zu bündeln, um damit in höhere Stufen der von den Reiseveranstaltern gezahlten Staf­felprovisionen zu gelangen. Deshalb wurden sie aus Sicht von Reiseveranstaltern auch als "Provisionssammelverein" (Pompl 1999, S. 8) bezeichnet, denn für Reise­veranstalter war nicht einzusehen, wes­­halb sie Reisebüros in einer solchen losen Kooperation höhere Provisionen zahlen sollen, nur weil die Umsätze mehre­rer Reisebüros zusammen abgerechnet wer­­den, ohne daß dadurch der Umsatz mit den eigenen Reisen gestiegen wäre. Da Reisebürokooperationen jedoch die Möglichkeit hatten, Reise­veranstalter, die sich auf dieses Spiel nicht einließen, zu boykottieren, blieb den Veranstaltern zunächst oft nichts anderes übrig, als die erhöhten Provisionen zu zahlen.

Gleichzeitig wurde von den Reise­ver­anstaltern aber versucht, die Koope­rationen zu einer stärkeren Bindung zu bewegen, um die Höhe der vermittelten Umsätze mit den eigenen Reisen zu erhöhen. Ähnlich wie die Franchisesysteme entwickelten deshalb auch die Koope­rationen Veranstaltersortimente, die ihre Mitglie­der bevorzugt vermitteln sollen. Für beide Seiten ergibt sich nur dann ein gemeinsamer Vorteil, wenn zum einen die Umsätze mit einem Veranstalter steigen und zum anderen daraus höhere Provisionen an die Reisebüros fließen.

Daraus wurden mittlerweile Bindungs­kon­zepte von Kooperationen an Reise­konzerne entwickelt, die sich den Mo­­dellen von Franchisesystemen annähern. So hat sich die TUI im Jahr 2000 an der von der größten deutschen Reisebürokooperation RTK im Jahr zuvor gegründeten Travel Star mit 50 Prozent beteiligt, die als eigene Kooperation seit 2001 unter dem Namen TUI Travel Star als Gemeinschaftsunternehmen von TUI und RT-Reisen (Burghausen) mit Sitz in Hannover firmiert. Ein weiteres Gemeinschaftsunternehmen ist die RTK mit Thomas Cook (b) bei den Alpha Reisebüros eingegangen, die später in Neckermann Reisen Partner umbenannt wurden.

Neben diesen engeren Kooperations­for­men bleiben aber die weniger weit gehenden Kooperationskonzepte be­­ste­­hen, so dass der Begriff Reisebüro­kooperation mittlerweile für ganz un­­terschiedliche Intensitäten von Zu­­sammenarbeit der Reisebüros untereinander und mit Rei­severanstaltern steht. (jwm)

Literatur
Pompl, Wilhelm 1999: Reisebüros - Ein­führung. In: W. Freyer & W. Pompl (Hrsg.): Reisebüro-Management. München, Wien: Oldenbourg, S. 3-29